Halbzeit

2016-02-26 17.18.45Genau seit 6 Monaten steht unser Leben Kopf.

Ich schlafe nicht mehr länger als 2-3 Stunden am Stück. Ich überprüfe den Inhalt von Windeln. Rechne in Schlaf,- Essens- und Spielphasen und erfinde die seltsamsten Lieder. Ich weiß wie mein Baby tickt. Erkenne seine Stimmungen, weiß wie ich ihn beruhigen kann und schaue mir Videos von ihm an, wenn er schläft. Bekloppt. 24/7 ist er in meinem Kopf und ich freue mich über jede Minute, die wir zusammen verbringen. Und das sind auf den Tag gerechnet zum Glück ziemlich viele. Wenn der junge Mann schläft, wird schnell der Rechner aufgeklappt. Ich habe aktuell einen Halbnachts-Job. Woher ich dafür die Energie nehme? Ich weiß es nicht. Von seinem großartigen Papi. Von meinem Willen das alles zu schaffen. Und von jedem Lächeln, das er mir schenkt. Ich kratze täglich an meiner körperlichen Grenze, ohne sie zu übertreten. Denke ich und hoffe, dass mir nie das Gegenteil bewiesen wird.

Vor kurzem hat ein Mensch, den ich sehr gerne habe, in Frage gestellt, ob es sich noch lohnt zu leben. An einem Punkt, an dem ich auch schon mal war. Damals. Vor vielen Jahren. Vor meinem Mann und vor Piet. Der Grund: Perspektivlosigkeit. Hätte ich damals gewusst, was ich heute erleben und fühlen kann, hätte mich nichts in diese Krise stürzen können. Denn das ist größer als alles.

9 1/2 woche 

  
Hin und wieder zähle ich im Kalender die Wochen nach. Von der Geburt, bis heute. Mit Finger, weil ich beim Zählen in letzter Zeit ziemlich schnell durcheinander komme. Ja, auch bei den Zahlen bis zehn. Und tatsächlich sind wir bei 9 1/2 Wochen angekommen. Ungläubig habe ich nochmal nachgezählt. Aber Piet gehört wirklich erst seit etwas mehr als zwei Monaten zu unserem Leben. Mir kommt es häufig länger vor. Weil wir schon ein Team sind. Weil er jeden Tag mehr kann und von seiner Persönlichkeit Preis gibt. Weil er seit ein paar Tagen bewusst auf meine Blödeleien mit einem herzhaften Lächeln reagiert. Und weil er vor fünf Minuten zum ersten Mal richtig gelacht hat. Okay, im Schlaf. Aber mit Ton und weit geöffnetem Mund. 

Meine Mama fragte mich neulich, ob ich mir noch vorstellen kann ohne ihn zu sein. Nein! Und das muss ich auch nicht. Meine Angst, ihm könnte etwas passieren, ist zwar noch da, aber sie beherrscht nicht mehr jede Bewegung. Vielmehr bin ich erstaunt wie Piet jeden Tag zeigt was er schon alleine kann und jeder Tag ist voller Überraschungen und ein Geschenk. Das Schönste. Ohne Schleife, aber dafür langen Haaren und Endloswimpern.

Paris je t’aime

  

101 soapbubbles

  Schwangerschaftvergesslichkeit… Davon hatte ich gehört und sie schlug auch bei mir ein wenig zu. Für einen Controlfreak wie mich der blanke Horror, aber auch eine gute Vorbereitung darauf, die Kontrolle mit der Ankunft von Piet sowieso an ihn abgeben zu müssen. Entspannt vergaß ich also Termine, nach dem Klogang abzuspülen oder den Teebeutel rauszunehmen. Da ich ein Fan von Listen bin, passierte mir bei der Arbeit selten ein Aussetzer, aber über jeden einzelnen freute sich meine Partnerin Kiki umso mehr… Hatte ich aber auch verdient!

Nun hat mir keiner gesagt, dass das noch schlimmer wird. Hat angeblich etwas mit dem Stillen zu tun… Ehrlich gesagt halte ich das für eine Ausrede, aber nun vergesse ich fleißig wie immer die Teebeutel in der Tasse, den Tee (inzwischen kalt) überhaupt zu trinken, Meetings bzw. wie viel Uhr es ist, Rechnungen zu bezahlen, Pakete zur Post zu bringen oder welche Seite zuletzt von Piet getrunken wurde. Bei Letzterem hilft mir eine tolle Stillapp von Medela, mit der ich wie besessen jede volle Windel, Stilldauer und Schlafzeiten tracke. Ich freue mich, wenn sich ein Muster erkennen lässt, das Piet zwei Tage später garantiert wieder über den Haufen wirft. Aber ich habe wenigstens ein bisschen das Gefühl von Kontrolle. Freak? Lasst mich! 

So platzen jeden Tag mindestens 101 Soapbubbles in meinem Kopf und ich fühle mich wie ein Torwart nach 25 Jahren Kopfballtraining. Viel kann da nicht mehr gehn… Dafür kommt jeden Tag mindestens eine neue Seifenblase hinzu, die prall gefüllt ist mit neu Gelerntem über das Leben mit Baby. Da ich mir abgewöhnen muss das Internet zu befragen (“Mein Baby verschluckt sich. Was kann ich tun” – “Sofort ins Krankenhaus!!”), frage ich neuerdings, neben meiner Mama und ihren Kolleginnen auf der Neugeborenenstation, alle Mamis in meinem Umfeld. Da gibts einige mit Kids von 3 Wochen bis zu 12 Jahren. Und wer könnte es besser wissen, als die Ladies, mit denen ich auch sonst aus einer Wellenlänge schwimme. Und falls die Seifenblase des Wissens und der Tipps mal wieder platzt, hoffe ich, dass ich vorab die digitalen Soapbubbles mit einem oder am besten allen der Themen und Tipps der Super-Mums gefüllt habe. Mein Denkarium, nur ohne fancy Dumbledore Zauberstab. Drückt mir die Daumen, dass ich diese super Idee nicht gleich wieder vergesse und der Beitrag hier nicht verloren geht. Dieser wurde übrigens mit freundlicher Unterstützung von Piet Waldemar Julius geschrieben, der gerade auf meiner Brust schlummert. Tastenton ist natürlich aus.

Scarry little b…

Stillen, wickeln, rumtragen – seit drei Wochen und drei Tagen stehen diese To Dos neben Schmusen, Beobachten und verzaubert sein ganz oben auf der Liste. Und ganz ehrlich: es gibt nichts schöneres! Wenn unser Piet in meinem Arm liegt, sich wie eine Katze streckt und dann eine Rakete in die Windel drückt, die gerne auch mal an allen Seiten rauskommt, kann ich ihn einfach nicht ernst nehmen und muss herzhaft lachen. Auch wenn er dann recht wütend schaut und noch eine Ladung hinterher schiebt. #grumpiet

Unsere kleine Familie ist alles was ich mir je erträumt habe. Alles fühlt sich wolkig weich an. Mit Zucker oben drauf und dem süßesten Baby-Geruch. In der Wolke wohnt mit Piet und mir ein Papa, der mich jeden Tag überrascht, wenn er schneller wickelt als ich, nachts aufsteht, wenn es sein muss, den kleinen Kerl heimlich in unser Bett legt und stundenlang Runden mit Minibuu auf dem Arm dreht und neulich ganz überrascht war, wie es sich anfühlt, wenn man die Laufrichtung um die Kücheninsel ändert. Mehr kann ich gar nicht haben wollen. Doch in diesen Momenten, wenn sich alles weich und warm anfühlt, schleicht sie sich an. Von hinten. Leise. Um dann im Nacken zuzupacken. Angst. Angst das alles zu verlieren. Angst vor der Welt da draußen. Angst vor mir mit meiner Angst. Dann würde ich ihn am liebsten an mich tackern, seinen Atem pausenlos spüren und lieber 24/7 stillen, als nur einmal zu denken er könne hungern. Das Internet wird dann zum Feind, wenn Seiten wie gutefrage.net alle Baby Neuheiten in einer Horrorstory zum besten geben. Da verlasse ich mich lieber auf gelassene Mamis, auf deren Blogs eher das Motto “alles halb so wild” herrscht und ich lieber deren Suchfunktion nutze, statt Google überhaupt noch zu befragen. Listiges Biest diese Angst. Doch dann denke ich bewusst an Tage wie den 6.10., denn da hat Minibuu mir in die Augen geschaut und auf mein albernes “jajaja” mit zweimal richtig Anlächeln reagiert. An solchen Tagen fällt es leicht “fick dich Angst” zu denken und wieder auf der Wolke zu schweben. Denn da sind wir am liebsten.

Danke da oben. Danke Piet-Papa.

Last night you saved my life

Ein Stillkissen stand für mich immer auf der Liste mit Dingen, die ich nach der Geburt brauche. Klar habe ich gelesen, dass sie auch während der Schwangerschaft für einen besseren Schlaf sorgen sollen, aber wie immer stand mein eigener Schlaf nicht ganz oben auf der Prioliste.

Da der errechnete Geburtstermin immer näher rückt, beschloss ich am Wochenende dieses To Do abzuhaken und solch einen weichen Sack zu kaufen. Aber vorher musste fundierter Rat her. Deshalb habe ich kurzerhand den Mädels vom Mummy Mag getextet, denn wer kann besser wissen, was sich in der Vergangenheit und aktuell bewährt hat!? Die eindeutige Antwort: Theraline!

Ein paar Stunden später hielt ich mein Exemplar in Anthrazit (yeah fast schwarz) in der Hand und wusch den Bezug erst mal bei 60 Grad durch. Nichts schrumpfte und er ließ sich ohne Probleme wieder mit dem Innenteil stopfen. Und da alle auf ihr Stillkissen beim Schlaf schworen, landete es gegen 23h in unserem Bett. Kurz und knapp: Seit Samstag schlafe ich um Welten besser! Ich drehe mich nicht mehr auf den Rücken, sondern bleibe ganz brav auf der linken Seite liegen. Ein Gang zur Toilette ist noch angesagt, aber sonst schlafe ich fast durch. Es passt sich perfekt an meinen Körper an und verhindert, dass der junge Mann mir die Luft nimmt. Auch seine Knie landen seltener unter meinen Rippen und das Teil fühlt sich einfach richtig gut an. Auch auf der Haut. Ich frage mich ernsthaft wie ich fast 9 Monate und überhaupt davor ohne Stillkissen klar kam!? Ganz klar der Mummy-Fail #1. Und das obwohl der Mini-Buu noch gar nicht da ist…

theraline